Esther Bejarano meets Microphone Mafia

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Esther Bejarano meets Microphone Mafia

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Ein besonderes Musikprojekt



Die Kölner Rapper der Microphone Mafia haben gemeinsam mit Esther, Edna und Joram Bejarano der Familien-Band der Auschwitz-Überlebenden Esther Bejarano, ein künstlerisches Projekt initiiert, bei dem es um einen Clash der Kulturen im besten Sinne geht: Die Rapper Kutlu Yurtseven und Signore Rossi, ihrerseits mit türkischem und italienischem Hintergrund, haben die Musik von Esther Bejarano aufgegriffen und gesampelt. Das war auch für eine der letzten Überlebenden des Mädchenorchesters von Auschwitz eine besondere Herausforderung: „Mir war das manchmal zu laut“, sagte schmunzelnd nach ihrem zweiten gemeinsamen Konzert in Berlin am10. Januar.

In diesem einzigartigen Bandprojekt covern die Hip Hopper Stücke der Familie Bejarano, schrieben aber auch einige Stücke neu. Nur einmal fragten die Rapper Esther Bejarano zu ihrer Vergangenheit und wie sie, nachdem sie in Auschwitz im Mädchenorchester spielen musste, noch Musik machen konnte. „Hätten sie mir das nehmen können, hätten sie mir alles genommen", antwortete sie. „Es geht hier um die Zukunft“, meinen die beiden Rapper.

Die CDTitel der Band-Kollaboration `Per la Vita´ – Für das Leben – spiegelt das Zusammenspiel dieser beiden politischen Bands treffend wider: Die Bejaranos machen `Lider fars Lebn´ und die Microphone Mafia hat immer italienische Titel für ihre Alben, also: `Per la Vita´!

Der Dokumentarfilm: The Making of `Per la Vita´

Der Aufnahmeprozess der beiden Bands wird von den Pädagoginnen und Filmemacherinnen Katharina Obens, Tanja Seider, Kirsten Wagenschein, Mireia Guzman und Birgit Müller gemeinsam mit migrantischen Jugendlichen filmisch begleitet. Daraus soll ein 30-minütiger Dokumentarfilm entstehen, der im Schulunterricht als Medium zur Thematik historisch-politisches Lernen zum Nationalsozialismus in der Einwanderungsgesellschaft eingesetzt werden kann.
Dem Filmteam, das über lange Jahre auch in der historisch-politischen Bildung zum Nationalsozialismus arbeitet, wurde deutlich, dass das historisch-politische Lernen über Nationalsozialismus und Judenverfolgung im aktuellen Schulunterricht häufig an Grenzen stößt. Zu verzeichnen ist vor allem die Tendenz, dass einerseits ein mangelnder Gegenwartsbezug, begründet im wachsenden zeitlichen Abstand zum Geschehen sowie dem Verschwinden der Zeitzeugengespräche aus dem Unterricht zu einem wachsenden Desinteresse der Schüler/innen an der Thematik führt.

Die Biografie Esther Bejaranos bietet dabei einen biografischen Zugang zur NS- und Verfolgungsgeschichte, anhand derer die Schüler/innen die Auswirkungen der nationalsozialistischen Rassen- und Vernichtungspolitik auf die Betroffenen nachvollziehen können. Dabei unterscheidet sich der Film von klassischen Zeitzeugenprojekten dadurch, dass durch das gemeinsame Musikprojekt der Familie Bejarano mit den Kölner Rappern ein konkreter Gegenwartsbezug bereits in der Filmdramaturgie angelegt ist.
Mithilfe der Musik ist der Austausch zwischen den Generationen fließender als in regulären Zeitzeugengesprächen. In Esther Bejaranos Musik und ihren Texten bündeln sich 80 Jahre Erfahrungen jüdischer Geschichte, welche immer wieder von Ausgrenzung und Verfolgung geprägt war. In den politischen Texten von Kutlu und Rossi von der Microphone Mafia berichten diese von dem Gefühl fremd, nicht erwünscht zu sein. Für die Jugendlichen wird eine Identifikation mit den Protagonist/innen möglich, über die sie eigene Fragen entwickeln: Wie stehe ich heute anderen Nationalitäten gegenüber, wo habe ich das Gefühl, anders zu sein, nicht dazuzugehören? Für Jugendliche im Allgemeinen und besonders für Jugendliche mit einem Migrationshintergrund tauchen Fragen auf wie: Wo erfahre ich heute Missachtung und Ausgeschlossensein? Doch wo passiert es vielleicht auch mir, dass ich meinerseits andere diffamiere und ausgrenze?

`Per la Vita´ als Lehr- und Lernmittel

Mit einer nur gegen eine Schutzgebühr an Schulen und Lehrer/innen abzugebenden Lehr-DVD (inkl. Film und pädagogischer Handreichungen) soll das zurzeit intensiv diskutierte Thema der Holocaustpädagogik in der multikulturellen Gesellschaft auf eine die Schüler/innen ansprechende Art und Weise thematisiert werden und somit ein Pilotprojekt innerhalb der historisch-politischen Bildung realisiert werden.
Die pädagogischen Handreichungen eignen sich für die Fächer Geschichte (Sek. I & II) und Sozialkunde/Politikwissenschaft und werden an die unterschiedlichen Lernniveaus der Jahrgangsstufen angepasst. Ergänzend zum Film werden die o. a. didaktischen Prinzipien (Gegenwartsbezug, Multiperspektivität: Lernen über den Nationalsozialismus zwischen den Generationen und von Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen, Entdeckung der Zusammenhänge zwischen persönlicher Geschichte und ‚offizieller Geschichte‘) in den Materialen weiter entwickelt, damit die Schüler/innen sich über den Film hinaus aktiv mit der Thematik beschäftigen. In handlungs- und produktionsorientierten Methoden aus der historisch-politischen Bildungsarbeit, die Selbstreflexion fördern, sollen sich die Schüler/innen auf die Suche nach ihrem persönlichen Verwurzeltsein in der Geschichte machen und zu ihrer eigenen Familiengeschichte während der NS-Zeit forschen.

Es gilt auch die Medienkompetenz der Schüler/innen zu fördern. Gerade der Dokumentarfilm, zu dem es bislang wenig aktuelle medienpädagogische Materialien gibt, wird von Schüler/innen als ‚unvermittelte Abbildung von Realität‘ gelesen. In einem kleinen Modul sollen anhand des Films allgemeine filmerische Gestaltungsmittel und ihre Wirkung auf die Zuschauer/innen erklärt werden (filmisches Erzählen durch Kameraführung, Perspektive, Einstellungsgrößen, Montage und Lichtsetzung etc.).

Die pädagogischen Handreichungen werden von Tanja Seider und Katharina Obens gemeinsam entwickelt werden. Frau Prof. Dr. Bettina Alavi (Pädagogische Hochschule Heidelberg, Arbeitsschwerpunkte: interkulturelles Lernen in der Geschichtsdidaktik, Neue Medien, Oral History) steht ihnen dabei als fachwissenschaftliche Beraterin zur Seite.
Für die Konzeption der Begleitmaterialien für die Fächer Deutsch und Musik werden noch in der Konzeption von Bildungsmaterialien erfahrende Pädagog/innen als ehrenamtliche Helfer/innen gesucht. Bei Interesse melden Sie sich bitte per Mail beim Auschwitz-Komitee in der BRD e.V.

Kontakt: AuschwitzKomitee@t-online.de

Der Film wird voraussichtlich zum 27.01.2010, dem Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, fertig gestellt sein. Zeitgleich soll eine CD-ROM mit pädagogischem Begleitmaterial zum Film erscheinen. Näheres zu den Bezugsmöglichkeiten wird das Projektteam über „Lernen aus der Geschichte“ und die Website der Microphone Mafia ankündigen.

Das gemeinsame Album `Per la Vita´ ist bereits erschienen und die ersten Konzerte wurden gegeben. Mehr dazu erfahren Sie unter: http://microphone-mafia.com/


Das nächste Konzert der beiden Bands findet am 26. Juni 2009 um 20 Uhr in der Universität Hamburg, Department für Wirtschaft und Politik, Von-Melle-Park 9, 20146 Hamburg (Großer Hörsaal) statt.