Homestory Deutschland + Die Mörder sind unter uns

Liebe Nutzerinnen und Nutzer,
seit April 2010 verfügen wir über eine neue Webseite. Aus diesem Grund werden wir unser altes Webangebot nicht mehr aktualisieren. Die Beiträge der alten Webseite sind auch auf der neuen zu finden. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie auch Nutzer bzw. Nutzerin der neuen Webseite werden.

Bitte benutzen Sie unseren neuen Website unter lernen-aus-der-geschichte.de

Mit besten Grüßen
Die Redaktion von Lernen aus der Geschichte
>>>  Hinweise auf praxisrelevante Veranstaltungen

Homestory Deutschland + Die Mörder sind unter uns

Home >


Ausstellungen in Heidelberg und Ulm



I
Homestory Deutschland – Schwarze Biografien in Geschichte und Gegenwart

Ausstellung noch bis zum 19 März in Heidelberg

II
„Die Mörder sind unter uns“ - Vor 50 Jahren: Der Ulmer Einsatzkommando-Prozess 1958

Ausstellung bis zum 13. Juli 2008 in Ulm



I
Homestory Deutschland – Schwarze Biografien in Geschichte und Gegenwart

Ausstellung noch bis zum 19 März in Heidelberg

Die Existenz und die Beiträge von Menschen afrikanischer Herkunft in Deutschland sind bislang nur unzureichend zur Kenntnis genommen worden. Sowohl in der offiziellen Geschichtsschreibung als auch in öffentlichen Diskursen spielen sie eine Rolle, die von stereotypen rassistischen Wahrnehmungs- und Argumentationsmustern gekennzeichnet ist. Die historischen Wurzeln der darin reproduzierten machtvollen Fremdrepräsentationen liegen in der mangelnden Auseinandersetzung der Mehrheitsgesellschaft mit ihrer eigenen Kolonialgeschichte und entsprechenden Traditionen, die bis heute beinahe ungebrochen weitergegeben werden. Dies prägt in gravierender Weise nicht nur eine Vielzahl normierender Denk- und Handlungsweisen von weißen Deutschen, sondern ebenso die Lebens- und Erfahrungsbezüge von Schwarzen Menschen in diesem Land. Die individuellen und kollektiven Erfahrungen von Alltagsrassismus stellen für Menschen afrikanischer Herkunft daher einen Erfahrungszusammenhang dar, innerhalb dessen sie in Geschichte und Gegenwart
- 1. eigenständige Selbstdefinitionen entwickeln, die ihre jeweilige historische Ausgangssituation reflektieren
- 2. mit häufig widerständigem Eigen-Sinn nach individuellen und gemeinschaftlichen Alternativen suchen und politische und kulturelle Netzwerke etablieren, die transnational angelegt sind
- 3. intellektuelle Traditionen begründen, die, ausgehend von der gelebten Erfahrung, auf ein spezifisches diasporisches Denken verweisen
- 4. die mehrheitsgesellschaftlichen Vorstellungen einer bis heute auch rassifizierten „Leitkultur“ auf unterschiedliche Weise verhandeln

Gerade weil sich die Dimension des Vergessens und der Verdrängung in der dominanten Geschichtsschreibung und Erinnerungskultur so umfassend gestaltet, ist es für Menschen afrikanischer Herkunft von großer Bedeutung, sich mit ihren historischen und gegenwärtigen Verfasstheiten zu beschäftigen und ihre Beiträge sowie ihr eigenes Potential sichtbar zu machen und zu beheimaten. Dafür bieten sich die exemplarischen Biographien von Schwarzen Männern und Frauen unterschiedlicher Generationen in besonderer Weise an. Sie erhellen, in welcher Weise sich systemische Rahmenbedingungen und Strukturen in einzelne Lebensgeschichten einschreiben und diese formen und prägen. Zugleich erlauben sie es, die Ebene der individuellen Verhandlung und Entscheidungsfähigkeit nachzuvollziehen. Die Sichtbarmachtung von lebensweltlichen Erfahrungen als Zeit-Zeugnis und Zeit-ZeugInnenschaft stellt folglich eine wesentliche Grundlage für eine künftige gesamtgesellschaftliche Erinnerung dar, in der das Vermächtnis und die Perspektiven von Menschen afrikanischer Herkunft ihren Ort und ihre Stimme zurückbekommen.
Anhand von 27 visuell aufbereiteten Biographien von Schwarzen Männern und Frauen soll deren Schaffen in diversen gesellschaftlichen Bereichen exemplarisch dargestellt werden. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Angehörigen unterschiedlicher Generationen, zwischen öffentlichen und nichtöffentlichen Wirkungssphären, zwischen Schwarzen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund, aus Ost und West sowie zwischen Männern und Frauen erscheint hierbei wesentlich, um historischen Wandel zu dokumentieren, die Heterogenität Schwarzer Anwesenheiten zu bekräftigen und die Wirkweise von Mehrfachunterdrückung offen zu legen. Die Biographien sind nicht chronologisch im Sinne ereignisgeschichtlicher Epochen geordnet, sondern nach thematischen Anhaltspunkten, die das Leben und Denken einer in Deutschland ansässigen Schwarzen Diaspora sichtbar machen.

Kontakt und weitere Informationen: http://www.isdonline.de/ und http://www.sintiundroma.de
Die Ausstellung ist bis zum 19 März in Heidelberg zu sehen und wird gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung und der Landesstiftung Baden-Württemberg
Öffnungszeiten: Di, Mi, Fr: 9:30 – 16:30 Uhr – Donnerstags 9:30-20 Uhr – Sa,So 11-16 Uhr



II
„Die Mörder sind unter uns“ - Vor 50 Jahren: Der Ulmer Einsatzkommando-Prozess 1958

Ausstellung bis zum 13. Juli 2008 in Ulm

"In Ulm steht eine ganze Epoche vor Gericht" überschrieb der Korrespondent der Stuttgarter Zeitung am 4. Juni 1958 seinen Bericht über "den nach Umfang und Dauer größten deutschen Strafprozess mindestens seit Kriegsende; er behandelt auch ein Verbrechen, das ohnegleichen ist: den organisierten Verwaltungsmassenmord". Am 28. April 1958 begann in Ulm der erste große Prozess vor einem deutschen Schwurgericht , der den Massenmord an Juden bekannt machte. Angeklagt waren zehn Angehörige des "Einsatzkommandos Tilsit", einem mobilen Mordkommando von SS, Gestapo und Sicherheitsdienst, das 1941 an Massenerschießungen in Litauen beteiligt war. Der Prozess offenbarte, dass viele Täter noch unbehelligt mitten in der Gesellschaft lebten. Nach 60 Verhandlungstagen wurden alle zehn Angeklagten zu mehrjährigen Zuchthausstrafen verurteilt. Außerdem verloren sie zeitweilig ihre bürgerlichen Ehrenrechte, wie zum Beispiel das Wahlrecht.
Der Ulmer Einsatzgruppenprozess war eine Zäsur im Umgang mit dem Nationalsozialismus und prägte ein neues Selbstverständnis der jungen Bundesrepublik. Er gab entscheidende Impulse für den Beginn der systematischen strafrechtlichen Verfolgung der NS-Gewaltverbrechen und setzte für deren juristische Aufarbeitung bundesweit Maßstäbe. Die Folge waren tief greifende Veränderungen der politischen und juristischen Rahmenbedingungen. Neben der Auseinandersetzung breiter Bevölkerungskreise mit der unmittelbaren Vergangenheit trug der Prozess vor allem zur Gründung der Zentralen Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg bei, die mittlerweile eine Vielzahl an Fällen bearbeitete und eine beträchtliche Anzahl von Verfahren einleitete.
Die Ausstellung veranschaulicht die justizielle Auseinandersetzung mit den NS-Verbrechen und bezieht die Reaktion der damaligen Bevölkerung auf die Ereignisse ein. In den Jahren nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war es Aufgabe des neuen Staatswesens, den Bürgern wieder Vertrauen in eine rechtsstaatliche Ordnung zu vermitteln. Ein Schlüssel dafür war die Aufarbeitung des Unrechts im NS-Staat. Bei allen Schwierigkeiten, vor welche der Prozess Richter und Staatsanwälte stellte, lag die Bedeutung des Verfahrens in Ulm im Bruch mit dem allgemein verbreiteten Verdrängen und Vergessen der nationalsozialistischen Gewaltverbrechen in den 1950er Jahren. In der damaligen Zeit wirkte das Verfahren wie ein Schock. Doch es wies neue Weg zur Aufklärung und Veränderungen der politischen Kultur. Die Ausstellung leistet einen unverzichtbaren Beitrag für die historisch-politische Bildungs- und Erinnerungsarbeit. Sie soll möglichst viele Menschen aller Altersgruppen erreichen und zum Nachdenken anregen.
Die maßgeblich von der Landesstiftung Baden-Württemberg geförderte Ausstellung wurde vom Haus der Geschichte Baden-Württemberg zusammen mit dem Haus der Stadtgeschichte - Stadtarchiv Ulm und dem Stadthaus Ulm konzipiert und am 15. Februar eröffnet. Im Mittelpunkt steht die Geschichte des Prozesses gegen eine an der Ermordung von Juden in den baltischen Staaten beteiligte Einsatzgruppe. Einsatzgruppen waren Einheiten der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes, die in den besetzten Gebieten Massenmord an Zivilbevölkerung durch Erschießungen verübten

Öffnungszeiten: Mo-Sa 9.00-18.00 Uhr, jeden 1. Fr im Monat bis 24.00 Uhr, Do bis 20.00 Uhr, So 11.00-18.00 Uhr. Der Eintritt in die Ausstellung ist frei. Eine Spende ist erwünscht
Führungen auf Anfrage: Tel. 0731 / 161 77 00/ Fax: 0731 / 161 77 01/ Email: <stadthaus@ulm.de>
Ort: Ulmer Stadthaus, Münsterplatz 50 , 89073 Ulm
Weitere Informationen: http://www.stadthaus.ulm.de/ und http://www.hdgbw.de